Poker - Texas Hold'em

Texas Hold'em ist die aktuell wohl populärste Poker-Variante weltweit. Das zeigt u.a. die mittlerweile doch rege Berichterstattung darüber im Fernsehen (drei verschiedene Sender zeigen alte und auch neuere Turniere der World Series of Poker und der World Poker Tour!), aber auch der Ansturm auf die diversen Online-Portale, auf denen man Poker spielen kann ist gewaltig.

Obwohl Texas Hold'em einfach erscheint und leicht zu spielen ist, bestätigen viele Experten, dass es das komplexeste Poker Spiel ist. Auf Grund seiner Komplexität kann das Spiel angenehm oder grausam für den Anfänger sein und macht auch erfahrenen Spielern manchmal graue Haare.

Gundsätzlich gibt es zwei Varianten, welche sich lediglich in der Art des Setzens unterscheiden: Texas Hold'em No Limit und Texas Hold'em Limit Poker. Diese zwei Arten sind aber so total verschieden, dass wir uns hier nur auf eine, und zwar die No Limit Variante konzentrieren wollen.

Im Anschluss findet ihr eine grundlegende Einführung in das Regelwerk von Texas Hold'em. Danach wisst ihr eigentlich alles, was es an Regeln gibt. Gute Spieler seid ihr dann aber noch lange nicht. Denn Texas Hold'em beinhaltet so viele Kniffe, die man alleine durch Übung, Übung und nochmals Übung langsam durchschaut. Je mehr du über das Spiel weisst, desto besser wirst du.

Texas Hold'em - Die Regeln

Das Prinzip

Jeder Spieler bekommt am Anfang zwei verdeckte Karten, die Hole Cards (auch Pocket Cards genannt). Seine Hole Cards darf nur der Spieler selber ansehen.

Danach werden die Gemeinschaftskarten oder auch Community Cards (insgesamt 5 Karten) offen auf dem Tisch ausgeteilt, mit denen jeder Spieler zusammen mit seinen beiden Hole Cards spielt. Die ersten 3 Karten werden zusammen ausgelegt. Das ist der Flop. Die 2 restlichen Karten werden einzeln aufgedeckt. Zunächst die Vierte, die Turn Card und schließlich die letzte, die River Card. Insgesamt hat also jeder 7 Karten zur Verfügung (5 Gemeinschafts-Karten und 2 eigene!), und wer das beste Blatt aus diesen 7 Karten bilden kann, gewinnt die Runde und deren Pot! Ach ja, der Pot: vor jedem Offenlegen der Karten muss jeder Spieler entweder, checken, callen, raisen oder re-raisen - also Chips setzen. Oder auch aussteigen (folden) - das ist zu jedem Zeitpunkt möglich, sofern man gerade an der Reihe ist. Nachdem die 5. Karte (der River) aufgedeckt und ein letztes Mal gesetzt wurde, kommt der Showdown und derjenige mit den besten Kombination aus den vorhandenen 7 Karten gewinnt.

Wenn vorher schon nur noch ein Spieler übrig ist, weil alle anderen ihre Karten gefoldet haben, geht der Pot ohne Showdown an diesen einen Spieler. (Und man wird nie erfahren, ob er wirklich eine gute Hand hatte, oder ob es ein Bluff war...)

Der Button

Der Button repräsentiert den Dealer. Für Spiele zu Hause wird kein Button benötigt, da jeder Spieler einmal als Dealer an der Reihe ist. Im Casino und beim Online Poker ist der Dealer ein Angestellter oder der Computer. Daher die Notwendigkeit eines Buttons. Der Button wandert im Uhrzeigersinn nach jedem Spiel. Der Spieler, bei dem sich der Button befindet („on the button“) bekommt als letzter seine Karten und bietet als letzter in der Runde. Die aktuelle Position des Buttons spielt eine große Rolle bei der Abwägung der positionellen Strategie.

Die Blinds

Um das Spiel ohne Ante in Gang zu bringen nutzt Texas Holdem „blind bets“. Die ersten beiden Spieler links vom Button müssen die Blind Bets einzahlen. Üblicherweise zahlt der 1. Spieler den Small Blind ein. Dies entspricht der Hälfte des Minimum Bet. Der 2. Spieler dagegen zahlt den Big Blind ein. Dies entspricht dem vollen Minimum Bet.

Der Deal und die Bietrunden

Beginnend mit dem ersten Spieler links vom Button bekommt jeder Spieler 2 Karten mit Bild nach unten. Die „Pocket Cards“. Die ersten beiden Spieler links vom Button haben ja die Blinds gesetzt. Die erste Aktion, nach dem Karten fertig gegeben wurden, wird vom Spieler links vom Big Blind ausgeführt. Er und die folgenden Spieler können wählen, ob sie den Big Blind halten, aussteigen oder erhöhen wollen. In den meisten Texas Hold'em Spielen sind die Blinds (die Spieler die die Blinds gesetzt haben) live. Dies bedeutet, dass sie in der ersten Bietrunde die Möglichkeit bekommen zu callen, checken oder zu erhöhen. In diesem Sinn ist der Spieler mit dem Big Blind der letzte Spieler der nach dem Dealing (Karten geben) seine Aktion ausführt. Wenn alle an der Reihe waren und noch mindestens zwei Spieler ihre Karten halten kommt...

Der Flop

Der Flop sind 3 Karten, die mit dem Bild nach oben offen und für alle sichtbar auf den Tisch gelegt werden. Diese Karten sind gemeinsame (Communitiy!) Karten. Eine weitere Bietrunde nach obigen Muster erfolgt. Der erste verbliebende Spieler links vom Button startet die Runde. Wieder müssen mindestens zwei spieler dabei bleiben, dann kommt...

Der Turn

Eine weitere Karte mit Bild nach oben wird neben den Flop auf den Tisch gelegt. Damit befinden sich insgesamt 4 Karten mit Bild nach oben offen auf dem Tisch. Eine weitere Bietrunde findet statt, wieder beginnend mit dem ersten verbliebenden Spieler links vom Button. Sollten auch jetzt noch mindestens zwei Spieler mit von der Partie sein, folgt schließlich...

Der River

Die letzte Karte wird mit dem Bild nach oben auf den Tisch gelegt. Dies erhöht die Anzahl der Karten auf den Tisch auf 5. Eine letzte Bietrunde erfolgt, natürlich beginnend mit dem ersten verbliebenden Spieler links vom Button. Sollten nun immer noch mindestens zwei Spieler dabei sein, folgt unweigerlich...

Der Showdown

Nachdem das letzte Bieten abgeschlossen ist und wenn mehr als 1 Spieler übrig ist, erfolgt der Showdown. Gewinner ist, wer das beste Blatt bestehend aus den 5 gemeinsamen Karten und seinen 2 Pocket Karten bilden kann. Es ist durchaus möglich, dass das beste Blatt komplett auf dem Tisch liegt. In diesem Fall teilen sich die verbliebenden Spieler den Pot. Ein „tie“ (Unentschieden) ist ebenfalls möglich. Dabei teilen sich die Spieler mit gleich guten Karten den Pot.

Nach dem Showdown wechselt der Button im Uhrzeigersinn zum nächsten Spieler und die nächste Runde Karten wird ausgeteilt.

.

Wertvolle Anfänger Regeln:

  • Mathematik, Taktik und Erfahrung sind das Wichtigste beim Poker und nicht das Glück. Im Finale der "World Series of Poker" sitzen jedes Jahr mindestens 50% der besten Pokerspieler der Welt. Die sitzen nicht jedes Mal dort, weil sie Glückskinder sind. Sie halten sich an die bestimmte Regeln und haben durch zahlreiche Spiele gelernt.

  • Als Anfänger hält man sich am besten an die Berechnung der Wahrscheinlichkeit und Quoten: spielt erst um kleine Beträge und lernt Sie dabei!

  • An diesen kleinen Tischen werdet ihr dann die Gewinner sein, da dort zahlreiche Anfänger spielen, die diese Regeln missachten. Das gilt (mit gewissen Abstrichen) übrigens auch für das Internet.

  • Lieber öfter mal aussteigen. Besonders wenn man sich in einer Early Position befindet.

  • Wenn der Flop nicht weiterhilft, dann aussteigen.

  • Als Anfänger sollte man unbedingt erst einmal die zahlreichen kostenlosen Pokerspiele ausprobieren. Aber Achtung: wenn es um nichts geht, dann spielt man anders! Zum Lernen sind vor allem die diversen Online-Anbieter sehr gut geeignet.

  • Und wenn ihr um Geld spielen wollt, spielt ausschließlich um den Betrag, den ihr auch bereit seid zu verlieren. Am besten sind hier Turniere mit einem festen Einsatz, einem sog. Buy-In. Dafür kriegt man dann eine bestimmte Anzahl an Chips. Mehr kann man dann nicht verspielen!

.

Das heisst natürlich nicht, dass man sich nicht auch anders in die Materie einarbeiten kann. Es gibt ganz viele gute Poker-Bücher, die zu lesen es sich lohnt. Und es hilft auch, anderen beim Spielen zuzusehen, z.B. bei den Übertragungen im Fernsehen. Auch da kann man die verschiedenen Strategien beobachten und für sich selbst was dabei rausziehen.

Vielleicht einmal zur Untermauerung der Tatsache, dass Poker auch ganz viel mit Können zu tun hat. Es gibt verschiedene Arten, seine Chancen im wahrsten Sinne des Wortes auszurechnen. Als kleine Hilfe dazu vielleicht hier eine Übersicht der Wahrscheinlichkeiten von einzelnen Blättern:

Poker HandKombinationenWahrscheinlichkeitin Prozent
Royal Flush4,3240.000032320,0032%
Straight Flush37,2600.000278510,028%
Vierling Poker224,8480.001680670,17%
Full House3,473,1840.025961022,60%
Flush4,047,6440.03032553,03%
Straight Straße6,180,0200.04619384,62%
Drilling6,461,6200.048298704,83%
Zwei Paare31,433,4000.2349553623,50%
Ein Paar ≥ Bube18,188,2800.1359520113,60%
Ein Paar < Bube40,439,5200.3022734530,23%
Nur High Card23,294,4600.1741192017,41%

Und damit ihr auch künftig an jedem Poker-Tisch mitreden könnt, hier die Bezeichnungen der verschiedenen Starthände. Da Poker ja bekanntlich aus den USA stammt, sind die Abkürzungen für jedes Blatt auch aus dem Englischen übernommen, sonst machen die Namen meist keinen Sinn. Die 10 wird hier mit T für "ten" abgekürzt, Q steht für die "Queen", also die Dame usw.

  

KartenBezeichnung
AAPocket Rockets, Bullets, American Airlines
KKCowboys, King Kong
QQDouble date, Canadian Aces, Siegfried and Roy, Four Tits, The Ladies
QTQuentin Tarantino
JJFish hooks (Angelhaken), Jenna Jameson, Jay-Jay
JTJohn Travolta
TTDimes, 20 Miles, Rin Tin Tin
99German virgin, Wayne Gretzky
88Snowmen, Octopus
77Sunset strip
66Route 66, Wembley
55Speed limit
44Magnum, Sail boat, Midlife crisis
33Crabs
22Ducks, Pierlines
AKBig slick, Anna Kurnikowa (Sieht gut aus, gewinnt aber selten)
AQBig chick
AJBlack Jack, Jack-ass, Action-Jackson, Air Jordan
ATA-Team, Johnny Moss
KQRoyalty, Marriage, King of Queens
KJKojak, Father & Son
J5Jackson five, Motown
Q3Gay waiter, Daumedai (Häufig gewählte Beschreibung im Ruhrgebiet Deutschlands)
95Dolly Parton
A8Dead man’s hand (Wild Bill Hickok wurde 1876 von hinten erschossen, nachdem er mit einer Dame, zwei Assen und zwei Achten gewann(nach anderer Überlieferung einer Dame zwei Buben und zwei Achten!)
A5Us5
K2The Devils Cards
K9Canine, saw mill
KTKatie
T2Doyle Brunson ( D. Brunson gewann mit dieser eigentlich schwachen Hand zweimal in Folge die Weltmeisterschaft)
J4Flat tyre (ein platter Reifen)
72Beer Hand -> Don't Play, go and get a beer, The Hammer (die schlechteste mögliche Hand)

Tabelle der Wahrscheinlichkeiten - Turn und River

Und noch eine kleine Entscheidungshilfe: Anhand dieser Tabelle könnt ihr schnell und einigermaßen einfach ablesen und mit der unten angefügten Erklärung auch sehr schnell überschlagsmäßig errechnen, wie groß die Chance ist, eine fehlende Karte nach dem Flop noch zu treffen, also auf dem Turn oder River..
.
Man muss - wie gesagt - nicht zwingend alles auswendig lernen, es gibt auch eine einfache Faustregel, mit der sich die Chancen leicht überschlagen lassen: Wenn man die Zahl der Outs mit 4 multipliziert, erhält man ca. die entsprechende Wahrscheinlichkeit in Prozent.
Ein Beispiel: Wenn man 2 unterschiedlliche Karten auf der Hand hält, wie hoch ist die Chance ein Pärchen auf dem Turn oder River zu erhalten?
Hier hat mal also 6 sogenannte Outs, also Karten, die einem noch weiterhelfen, um noch zu einem Pärchen zu kommen. Und diese 6 Outs multipliziert man dann einfach mit 4, und schon erhält man die Wahrscheinlichkeit, hier also 24% (6 x 4 = 24 ).
Entsprechend gilt das gleiche dann nur für den River, also die letzte Gemeinschaftskarte. Nur dass man hier mit 2 multiplizieren muss:
.
Anzahl der Outs nach dem Flop Prozent
Anzahl der Outs nach dem Turn Prozent





1 4,40%
1 2,20%
2 8,40%
2 4,30%
3 12,50%
3 6,50%
4 - Straight, dem eine Karte in der Mitte fehlt 16,50%
4 - Straight, dem eine Karte in der Mitte fehlt 8,70%
5 20,30%
5 10,90%
6 - höhere Karten auf der Hand als im Flop 24,10%
6 - höhere Karten auf der Hand als im Flop 13%
7 27,80%
7 15,20%
8 - Straight mit offenem Ende bzw. Anfang 31,50%
8 - Straight mit offenem Ende bzw. Anfang 17,40%
9 - Eine Karte fehlt zum Flush 35%
9 - Eine Karte fehlt zum Flush 19,60%
10 38,40%
10 21,70%
11 41,70%
11 23,90%
12 - Flush und Straight (Mitte) Chance  45%
12 - Flush und Straight (Mitte) Chance  26,10%
13 48,10%
13 28,30%
14 51,20%
14 30,40%
15 - Flush und Straight (aussen) Chance 54,10%
15 - Flush und Straight (aussen) Chance 32,60%
16 57%
16 34,80%
17 58,80%
17 37,00%
18 62,40%
18 39,10%

.

Wenn man also die Zahl der Outs mit 2 multipliziert und 2 addieren, erhält man die Wahrscheinlichkeit in Prozent. Das Beispiel:
Wenn man also wieder 2 Karten auf der Hand hält, wie hoch ist die Chance mit der letzten Gemeinschaftskarte noch ein Pärchen River zu erhalten?
Bei den wieder 6 Outs multipliziert mit 2 und mit 2 addiert kommt man auf eine Wahrscheinlichkeit von 14%, noch ein Pärchen zu erhalten (6 x2+2=14).

Pot Odds berechnen

Und jetzt geht's ans Geld - zumindest virtuell. Ein entscheidendes Ziel beim Pokern ist es ja, den Gegnern möglichst viele Chips abzunehmen. Um zu checken, ob es sich lohnt, noch weiter in einen Pott zu investieren, sollte man zunächst seine Outs und die damit verbundenen Wahrscheinlichkeiten berechnen (siehe oben). Und dann sollte man ebenfalls noch abwägen, ob es sich lohnt, ob die Pott Odds (so heisst das im Fachpokerchinesisch) stimmen. Die Pott Odds stellen also die Relation zwischen der Gewinnwahrscheinlichkeit und dem zu erwartenden Gewinn (Geld im Pot) her.

Das ist schon ungleich schwerer. Entscheidend dabei ist zunächst, wie viele Outs und damit verbunden, welche Wahrscheinlichkeit man hat, noch ein Blatt zu bekommen. Und dabei sollte man natürlich das möglichst beste Blatt am Tisch (die sog. "nuts") haben. Dann muss man sehen, wie viel bereits im Pot liegt und wie hoch der Bet (also die Erhöhung eines anderen Spielers) ist, die es zu callen gilt. Und schlussendlich sollte man sich seiner Position bewusst sein. Ist man also der letzte Spieler, der dran ist oder kann nach mir noch ein Spieler callen oder raisen?

Wieder gibt es hier eine Faustregel: Einfach die errechnete Wahrscheinlichkeit mit dem Pot multiplizieren, und man erhält den Betrag, den man maximal callen sollte. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass ihr nicht bluffen oder den/die Gegner aus dem Pot vertreiben wollt.

Um bei unserem Beispiel zu bleiben: wir hatten 14% Wahrscheinlichkeit errechnet, noch ein Pärchen auf dem River zu erhalten. Wenn wir mal davon ausgehen, dass wir mit diesem Pärchen dann auch den Pot holen und schon 1000 Chips im Pot liegen, rechnet man jetzt einfach 1000 x 0,14 und kommt also auf 140. Diese Erhöhung kann mal also mitgehen, ohne fahrlässig zu sein.

  Link